Anklage: Sabotage

Orgon-Team verhaftet:

Anschuldigung schlimmer Verbrechen


Montag 20. April

Wir stellten sehr bald fest, dass unsere Situation ernsthafter als anfangs gedacht war. Irgendwie sind polizeiliche Vernehmungsbeamte in der ganzen Welt sehr gut darin, die Kooperation ihrer Opfer durch dieses Gefühl von "komm schon, wir stellen nur ein paar Fragen und wenn alles so ist wie Du sagst dann kannst Du auch bald wieder gehen" zu erlangen, sodass man ohne Theater mitspielt und viel einfacher zu handhaben ist.

So dachten wir also, dass dieses Gefängnis nur eine temporäre Haltezelle sei und wir in Nullkommanix wieder verschwinden würden. Sie ließen uns sogar mit unseren Handys und anderen persönlichen Gegenständen hinein, unter der Anspielung dass es ja alles kein Problem sei. Natürlich war dies nicht der Fall und unsere persönlichen Gegenstände wurden uns sehr bald abgenommen und in einem Metallschrank im Büro eingeschlossen.

Wie erwartet waren wir zunächst sehr beklommen und setzten uns zusammen in eine Ecke der großen Halle, in der alle anderen Gefangenen sich um ein großes offenes Feuer herum aufhielten. Das Gebäude war offensichtlich eine alte, verfallene Autowerkstatt. Sie hatte ein hohes Dach auf Stahlträgern durch welche man einen Streifen Himmel sehen konnte und die für gute Durchlüftung sorgten. Die alten Büros auf der linken Seite wurden als eigentliche Zellen benutzt. Soweit ich mich erinnere waren es fünf Stück, jede ungefähr 3 x 4 Meter, in denen 17-21 Inhaftierte auf dem nackten Betonboden untergebracht wurden.


Dienstag 21. April

Wir wurden aufgerufen, um einer kompletten Durchsuchung unseres Autos in der Gegenwart schwer bewaffneter Wachen, Polizeioffiziere, Zollbeamteten und Geheimdienstoffiziere beizuwohnen. Viele unterstellende und weiterführende Fragen wurden gestellt, die generella Atmosphäre war sehr agressiv. Insbesondere der Zollbeamtete trat sehr bedrohlich und unangenehm auf. 

Nick, der Leiter der Ugezi Tiger Lodge an der wir gezeltet hatten, besuchte uns am Abend. Er sagte es sei sehr schwierig für ihn gewesen, zu uns Zugang zu bekommen. Er habe es drei Mal versucht, bevor er endlich zugelassen wurde. Er würde uns nicht nochmals besuchen können. Wir baten ihn, uns dringend einen Rechtsanwalt zu suchen. Dieselbe Bitte richteten wir an einen beistehenden Geschäftsmann, der bei der Autodurchsuchung dabei war und mit dem ich ein paar Worte wechseln konnte.


Mittwoch 22. April

Unser Sachbearbeiter Senor White (ein schwarzer Mosambikaner, aber irgendwie kamen er oder seine Familie an diesen englischen Nachnamen) begleitete uns zum Gericht, nachdem wir ihn mit Legalitäten drängelten, er könne uns doch nicht festhalten ohne uns offiziell anzuklagen. Jedoch wurden keine Papiere vorgelegt, noch wurde uns irgendetwas erklärt. Wir wurden ohne Resultate zurückgeschickt. White wollte natürlich, dass das ganze wie eine Legalisierung unserer Inhaftierung aussehen sollte, aber das war es nicht. 

Zu diesem Zeitpunkt wurde uns gesagt, wir sollen ein paar Tage warten, bis ein paar tests durchgeführt wurden, und wenn dann alles so sei, wie wir sagten.... Dieselbe alte Taktik halt. Wir wurden nicht streng bewacht, wir gingen zu Fuß mit Sr White zum Gericht und hätten leicht wegrennen können, wäre uns das eine tragbare Option gewesen. Von meiner Unschuld überzeugt wollte ich jedoch nicht unsere gesamten konfiszierten Gegenstände sowie unsere Leben in einem abenteuerlichen Entkommen riskieren. (Wie schön es für sie gewesen wäre, uns zu verfolgen und zu erschießen - keine weiteren Fragen.) Vielleicht führten sie uns absichtlich in die Versuchung. Anders könnte ich mir den starken Kontrast zwischen den schweren Anschuldigungen und der laienhaften Bewachung nicht erklären.


Donnerstag 23. April

Nach einem eher ereignislosen Tag der nur von Zählapellen (chamada) und Essen unterbrochen wurde, bekamen wir endlich Besuch von Dr Nhantumbo, dem Rechtsanwalt der entweder durch Nick oder den namenslosen Geschäftsmann auf unseren Fall aufmerksam gemacht wurde. Wir werden nie wissen, wie er genau zu uns kam. 

Wenn Du an Strafverfahren in amerikanischen Filmen denkst, glaubst Du vielleicht noch, dass Inhaftierte ein "Anrecht auf ihren Anruf" oder andere Nettigkeiten haben. Dies scheint in Afrika nicht der Norm zu entsprechen. (Siehe meine ähnlichen Erfahrungen in Simbabwe in 2006.) Nachrichten werden von Mund zu Mund weitergeleitet und man ist größtenteils vom guten Willen (durch Bestechung erreicht) seiner Wächter abhängig.

Ein stattlicher und gut gekleideter schwarzer Mann, der energetisch und jegendlich auftrat, wurde Dr Nhantumbo sofort zu unserem Hoffnungsstrahl und dem Fokuspunkt unserer Symphatie und unseres Vertrauens. In anderen Worten: wir mochten ihn ab dem ersten Tag! Er kam mit seiner Frau, die auch seine Sekretärin ist, ins Gefängnis. Er durfte den Schreibtisch in dem kleinen Gefängnisbüro benutzen, um uns zu befragen. Nachdem er unsere Aussagen aufgenommen hatte war er, denke ich, ziemlich schockiert. Schließlich wurde ihm von der Polizei, mit der er zuerst gesprochen hatte um sich mit dem Fall vertraut zu machen, gesagt dass wir des terrorismus und der Sabotage verdächtigt wurden. 

Herminio, wie wir in die restliche zeit nennen würden, schlug eine Gebühr von 750 USD pro Person für uns vier vor, der wir gerne zustimmten.  Wir fühlten uns nach dem Gespräch belebt und konnten ihm sogar einen Zapper und ein Stück Orgonit geben. Wir hatten den Eindruck, dass unsere Gefühle der Sympathie gegenseitig waren und dass Nhantumbo ehrlich mit unserem Fall mitfühlte, was uns große Hoffnung verschaffte. Er wurde von anderen Inhaftierten als bester rechtsanwalt der Tete-Provinz identifiziert. (Die Inhaftierten wissen generell recht viel darüber, wer im Rechtssystem etwas zu sagen hat und mit wem man es zu tun hat.)


Freitag 24. April

Diesmal passierte es wirklich: Wir wurden wieder vor Gericht geführt um unsere Inhaftierung zu "legalisieren". Nun in der Begleitung unseres neuen Rechtsanwaltes machten wir unsere Aussagen. Wir wurden mit allen möglichen Ausdrucken von unseren Kameras konfrontiert, mit Augenmerk auf Mobilfunktürme und andere Objekte "nationalen Interesses". Die Idee war offenstichtlich, eine Art Sabotagegeschichte zu verbreiten. 

Wir wurden auch mit einem "Test" konfrontiert, der im Labor des HCB (Hidroelectrica de Cahora Bassa), der Betreibergesellschaft des Dammes durchgeführt wurde. Der Test war extrem zweifelhaft sowie manipulativ in seiner Schlussfolgerung. Er wurde jedoch von Richter Dr Domingo Samuel als ausschlaggebend genug akzeptiert, um weitere Nachforschungen zu rechtfertigen, trotz der Tatsache dass er bereits zugegeben hatte, wie regelwidrig die Handhabung unserer Verhaftung und Inhaftierung gewesen war. 

Es wurde festgestellt, dass das Orgonit sich zwar nicht in Wasser auflöst, aber nachdem sie es sehr agressiven Substanzen wie Fluorwasserstoffsäure usw aussetzten löste es sich auf und bildete einen eher toxischen Schlamm (hier keine Nennung der Tatsache, dass der Damm natürlich nicht aus Säure sondern aus einwandfrei klarem Wasser besteht) der dann eventuell die Turbinen des Dammes korrodieren könnte usw... Außerdem wurde angemerkt, dass das Wasser in das man einen unserer Orgontowerbuster gelegt hatte einen pH-Wert von 2,4 annahm, was sauer ist. Dies wurde als eventuell schädlich gegenüber aquatischen Lebensformen interpretiert. Nochmals wurden nicht mal minimale wissenschaftliche Standards erreicht, da keine kritische Evaluierung der entsprechenden Mengen stattfand. Schließlich hat der Damm 53 Kubikkilometer Wasser. Hatten sie den Towerbuster in ein Glas wasser oder wenigstens eine Badewanne getan? Wie war der pH-Wert der Wassers vor der Untersuchung? Davon wurde nichts angesprochen, stattdessen wurden abenteuerliche Rückschlüsse aus diesen belustigenden und laienhaften "Experimenten" gezogen. Genug, um uns wieder in den Knast zu stecken. 

Es war uns klar, dass jemand davon besessen war, uns dieser Qual ohne jegliche Ansprache der Wahrheit oder des gesunden Menschenverstandes auszusetzen. Der "Test" war unverschämt und der Richter wusste es, da er dies Nhantumbo privat gestand, aber sie fuhren trotzdem fort. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir den Eindruck, dass der satanistische Verbund der unsere Bestrafung ersuchte sich innerhalb der Strukturen des HCB verbarg. Diese Vermutung wurde durch Nicks Aussage angeheizt, dass vor unserer endgültigen verhaftung der Umweltdirektor besonders wütend, oder sogar mehr als nur wütend, über unsere Aktionen war. Die Menge an Wut, die uns entgegenkam sowie die anhaltende Energie hinter dieser "Untersuchung" begann uns zu verwirren, da sie sehr untypisch für die sonst entspannten Mosambikaner war. 

Aber das hier? Hatten wir erfolgreich eine uneingestandene Untergrundbasis neutralisiert? Alienbasis? Ich tendiere zu diesem Gedanken, da die schwirrende wütende Energie mit der man uns entgegentrat alle merkmale einen gestörten Hornissennests hatte. 

Am gleichen Tag und typischerweise ohne die Anwesenheit unseres Rechtsanwaltes wurden wir weiterer Einschüchterung ausgesetzt. Carlos und ich wurden aufgerufen und in Handschellen gelegt. Tino bekam auch Handschellen angelegt und in eine der Zellen gesperrt während Prophet ohne Handschellen in eine andere zelle gesperrt wurde. Wir wurden zunächst durch die Polizeistation geführt, immer in Handschellen und unter stark bewaffneter Bewachung. Die Haltung der Soldaten und Polizisten war sehr bedrohlich und wir bekamen richtig Angst. Für mich sah es so aus, als würden sie uns an einen Ort der Folter bringen, irgendeinen Keller wo man uns verprügeln konnte ohne dass es jemand hören würde. Alle afrikanischen Polizeidienste machen sowas falls sie es für angemessen halten, und sicherlich viele westliche Länder auch. 

Irgendwie endete aber alles in Verwirrung. Ein Fahrzeug das sie bestellt hatten kam zu spät (typisch Mosambik) und sobald sie uns hineingestopft hatten, änderten sie ihren Plan und brachten uns zurück ins Gefängnis. Anscheinend wollten sie, dass wir sie an all die Stellen führen wo wir Orgonit in Songo und der Umgebung gelassen hatten, aber wir sagten dass es schwierig sei. Wir würden uns nicht an die genauen Orte erinnern und die GPS-Protokolle seien inkonsistent und sehr ungenau. Schließlich wollten wir ihnen nicht noch mehr belastende Tatsachen in die Hände geben und waren recht froh, dass sie keine materiellen Beweise außer unseren zuvorkommenden "Geständnissen" hatten. 

Nun wandten sie sich an Prophet und wir hatten Angst um ihn, dass sie ihn als schwächsten von uns 4 ansehen und ihr böses Spiel an ihm ausüben würden. Nach einer Stunde, als es schon dunkel wurde, kam er - Gott sei Dank! - unversehrt zurück. Er erzählte uns dass sie mit ihm zum Büro des HCB gefahren seien und ihn die meiste Zeit bewacht im Auto sitzen ließen. Irgendwann kamen sie mit irgendwelchen HCB-Angestellten lachend heraus und er wurde zum Gefängnis zurücktransportiert. Anscheinend hatten sie sich ein kleines Video von meiner Filmkamera angeschaut und dachten, sie "hätten uns", da es uns beim Orgonit verteilen zeigt, manchmal auch in der Nähe von Mobilfunktürmen. 

Sogar im Gericht wurde ein großes Theater um unsere elektronischen Geräte wie Kamera, GPS usw. gemacht, als seien sie die neuesten Erfindungen von Q in einem James Bond-Film. Jetzt mehr denn je waren wir überzeugt, dass diese "Untersuchung" von der HCB und nicht der Polizei selbst angeleiert wurde.

Die Ausdrucke und anspruchsvollen Analysen unseres Kontaktnetzwerkes basierend auf unseren Telefondaten waren definitiv weit außerhalb der technischen und sogar intellektuellen Fähigkeiten der hiesigen Polizeikräfte. HCB gibt in Songo den Ton an, soviel ist klar, da die ganze Stadt nur gebaut wurde um die Bauarbeiter und Ingenieure zu beherbergen, die den Damm gebaut haben, und nun ist die HCB der einzige Wirtschaftliche Mitspieler im ganzen Dorf. Anscheinend verfügen sie über ihre eigene Sicherheitsorganisation und sicherlich auch über ihren eigenen geheimen Nachrichtendienst. Der Cahora Bassa Damm ist nach wie vor wahrscheinlich die einzige wirkliche Struktur überlegener ökonomischer Bedeutsamkeit in ganz Mosambik. Es kann als nationales Denkmal betrachtet werden, und ein großer Teil der Wut der gegen uns gerichtet war wurde von verletzten Gefühlen nationalen Stolzes oder verletzter Souveränität angeheizt. Diese Gefühle haben in Jahrzehnter ziviler Unruhen und Bürgerkriege ihren Ursprung, in denen ausländische Einmischung, insbesondere durch Söldnerkommandos die Brücken zersprengten, Landminen legten und andere solche gewaltvolle taten vollbrachten, an der Tagesordnung waren. 

Wie einfach für jemanden, der uns von weiterer Orgonitbeschenkung in Afrika aufhalten wollte, einfach diese ganzen traumatischen Erinnerungen zu triggern, und das in einem Land in dem noch heute jede Woche oder so Leute von übergebliebenen Landminen verunstaltet werden?

Samstag 25. – Montag 27. April

Wir verfassten eine detaillierte Stellungnahme, in welcher wir alle Anschuldigungen, denen wir uns bisher bewusst waren, widerlegten. Zunächst formulierten wir es auf Englisch, Carlos übersetzte es dann auf Portugiesisch. Wir wollten, dass Nhantumbo gut ausgestattet sein würde. Keine Reaktionen der zuständigen Authorität. 

Dienstag 28. April

Inzwischen waren hoch angesehene Anklagevertreter und Kriminalbeamte aus der Hauptstadt Maputo einberufen. Offensichtlich herrschte dort die Auffassung, die "Jungs vom Dorf könnten es nicht regeln". Wir wurden in ein anderes Gebäude gebracht, der regionalen Staatsanwaltschaft. Nach einiger Zeit kam eine Reihe glänzender 4x4s an und einige Männer, sehr von ihrer eigenen Wichtigkeit überzeugt, stiegen aus und betraten das Gebäude. Nhantumbo war auch anwesend.

Ich wurde als erstes aufgerufen. Der höchstgestellte Ankläger, einer von denen aus Maputo, nahm nicht an der Befragung Teil. Die eigentliche Befragung wurde durch einen Ankläger und einem polizeilichen Kriminalbeamten aus Maputo geführt. An ihre Namen kann ich mich nicht erinnern, obgleich sie sich vorgestellt hatten. Wir erhielten keine Kopie des Befragungsprotokolls. Die oft offenen und irreführenden Fragen waren sehr auf die Thematik "Spionage, Sabotage, Terrorismus" ausgerichtet. Keine Überraschung, wer auch immer die ganze Geschichte angestoßen hatte stellte auch sicher, dass es auf dieser Ebene blieb. Natürlich mussten sie einige offensichtliche Informationen ignorieren, um den gesunden menschenverstand aus dem ganzen Konstrukt fernzuhalten. 

Ich frage mich, ob einer dieser typen sich jemals meine Webseite angeschaut hatte, deren Webadresse ich der Polizei bei der ersten Befragung gegeben hatte. Wir hatten den Eindruck, dass all diese Informationen unter dem Deckel gehalten wurden, um alle Mitspieler im Mindset eines äußerst heiklen Terrorismusfalles zu behalten. 

Trotz all dieser Faktoren glaube ich, dass unsere Aussagen einen Eindruck hinterließen. Wer waren ruhig, freundlich und kooperativ aber nicht unterwürfig. Später erfuhren wir, dass die Ankläger mich arrogant fanden - das ist wahrscheinlich der Teil, den ich als "höflich aber nicht unterwürfig" empfinde.  Wir leugneten keinen der materiellen Beweise gegen uns uns erzählten generell die Wahrheit über unsere Expedition, was wir bisher getan hatten und was wir zu tun planten. Ich erzählte ihnen auch frei von meinen anderen Expeditionen gleicher Natur. Dies ist sowieso öffentlich zugängliches Wissen, also warum nicht darüber sprechen. Carlos wurde als zweites aufgerufen und das war alles, was an dem Tag geschah.

Mittwoch 29. April

Die Befragungen - oder eher Verhöre - gingen mit Tino und Prophet weiter. Nhantumbo hatte mittlerweile einige portugiesische Webseiten gefunden, die von Orgonit handelten, und deren Ausdrucke an die Ankläger weitergeleitet. Offensichtlich ein guter Schritt, zu zeigen dass wir nicht die einzigen waren, die davon sprachen und dass dieses Phänomen auch in der portugiesisch sprechenden Welt bekannt war.

Nachdem die Befragungen vollendet waren hatten wir alle ein gutes Gefühl und hatten erwartet, dass die Anklage am selben oder zumindest am nächsten Tag aufgehoben werden würde. Dieses gefühl wurde durch einige Dinge bestärkt, die wir informell erfuhren: 1. Anscheinend wurde in Maputo ein weiterer Test durchgeführt, der die Orgonitprobe als frei von jeglichen schädlichen Stoffen erklärte. 2. Die Typen vom HCB hatten sich endlich unsere Webseite angeschaut und wussten nun, dass wir der Sabotage nicht schuldig waren, oder was auch immer die Anklage gegen uns war. Wir sahen der Ankläger sehr animiert mit Nhantumbo sprechen und ihm zu seiner geleisteten Arbeit zu gratulieren. Daher dachten wir, dass alles nun sehr schnell vorbei sein würde. In der Zwischenzeit hatte ich ein stark geschwollenes Bein entwickelt, womöglich fing es mit einer kleinen Wunde an die ich mir im Gefängnis an einer hohen Stufe beim nächtlichen Toilettenbesuch zuzog.

Donnerstag 30. April

Eine Entscheidung über unser Schicksal wird versprochen und wir bleiben hoffnungsvoll, bekommen jedoch keine Nachrichten. Gefängnisroutine. Ich bekomme von dem geschwollenen Bein ein Fieber, und zu diesem Zeitpunkt haben wir keinen Zapper mehr. 

Freitag 01. Mai

heute wurden wir nicht in die offene Halle hinausgelassen. Nach dem Morgenappell wurden alle Inhaftierten zurück in ihre Zellen gebracht. Später fanden wir heraus, dass die Wächter die wussten, dass wir Geld hatten, unzufrieden waren da wir sie noch nicht zu gutem Willen bestochen hatten. Das war der Grund, weshalb alle Inhaftierten leiden mussten - willkommen im afrikanischen Justizsystem! Wir korrigierten diesen Fehler natürlich indem wir sie bezahlten. Es war etwas schwierig, das mit einem würdevollen Gesichtsausdruck zu tun. 

Samstag 02. Mai

Korruption ist ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste, Teil jeglicher Interaktion zwischen Wächtern und Inhaftierten in Mosambik. Wie wir lernen würden, kann alles gekauft werde: Dorgen, Prostituierte, Essen, alle möglichen Privilegien. Natürlich gibt es immer eine Grenze, an der ein Wächter seine Position und weitere Anställung kompromittieren würde. Diese Grenze wird normalerweise nicht überschritten, oder die Bestechungsgelder dafür müssten extrem hoch sein.

Wir machten uns dieses System zunutze um zu einem Telefon Zugang zu bekommen, indem wir dem Wächter Abominuten kauften. Im Gegenzug konnten wir SMS senden und unser Heimteam (hauptsächlich Friederike, die alle anderen informiert hielt) bitten, uns zurückzurufen. Auf diese Art konnten wir regelmäßig nach Hause kommunizieren während wir in Songo waren. Dies würde sich ändern, sobald wir in die Provinzhauptstadt Tete geschickt wurden, aber vorerst konnten wir fast täglich kommunizieren. 

Wir konnten auch mit Nhantumbo kommunizieren der uns mitteilte, dass er in Maputo sei um "die Kacke von ganz oben zu stoppen". Offensichtlich benutzte er alle seine Kontakte um die "Authoritäten" in Maputo davon abzuhalten, weitere Daten von denen unsere Freiheit abhing zu fälschen oder zu verzögern.

Eine kleine Anekdote nebenbei:

Als ich zum ersten Mal das Gefängnis betrat war ich über den grottenähnlichen Dreck der hier als Badezimmer diente schockiert. Es gab 2 Hocktoiletten aus kaputtem Porzellan mit permanent fließendem Wasser. Alles drumherum war ziemlich unansehnlich und sicherlich nicht zum Anfassen gedacht. Im selben Kompartiment waren 2 Rohre an der Wand mit gleichermaßen ständig fließendem Wasser. Niemand hatte dort einen Wasserzähler installiert, also schienen sie das Wasser den ganzen Tag lang glücklich laufen zu lassen, auch in der großen Halle durch einen offenen Kanal der die ganze Halle durchquerte. Man konnte diese Dusche erreichen indem man über ein paar schlüpfrige Steine balancierte, die dem ganzen seinen höhlenähnlichen Anschein gaben. 

Sehr ärmliche Verhältnisse, auf jeden Fall. Nach einiger Zeit wurde ich mir bewusst, dass diese schrecklichen Abwassernalagen von den Wächtern offensichtlich als Segen angesehen wurden, da viele von ihnen sich oft dort duschten; bestimmt hatten sie zu Hause kein fließendes Wasser. Die normalen Wächter dort verdienen nicht mehr als 100 USD in mosambikanischen Meticais im Monat. Kein Wunder waren sie so bereit, ihre schmalen Gehälter zu vergrößern. 

Sonntag 3. Mai

Keine Nachrichten oder Aktionen von der Staatsseite. Wir vergehen in relativer Langeweile. 

Ein paar allgemeine Bemerkungen:

Theoretisch haben Gefangene in Mosambik dieselben Rechte wir in anderen entwickelten Ländern. Die Wächter gaben uns eine Broschüre namens “Os direitos do detidos” oder “Die Rechte von Inhaftierten”, in welcher wir bekannte Begriffe wie folgende fanden: - Anrecht auf Rechtsvertretung. Kann der Inhaftierte sich keinen privaten Rechtsanwalt leisten, hat er ein Recht auf einen staatlichen Anwalt. - Das Recht auf nahrhaftes und gesundes Essen. - Das Recht auf körperliche Betätigung. - Das Recht auf medizinische Versorgung. - Freiheit von mutwilliger körperlicher Bestrafung oder anderer Misshandlung. 

Interessanterweise benötigte diese kleine Broschüre die Sponsorenschaft von 11-12 ausländischer Botschaften um überhaupt veröffentlicht zu werden, was ein gutes Beispiel für die spendenabhängige Mentalität in diesem Land ist. Das gefängnisessen allein ist nicht nahrhaft genug, um sogar minimale Gesundheit aufrechtzuerhalten. es besteht aus Reis, Maismehl und braunen Bohnen, nichts anderes, zweimal am Tag. Das ist alles, tagein tagaus für Menschen die hier jahrelang festsitzen. Ohne die Ergänzung dessen, was Angehörige oftmals mitbringen oder was sie außerhalb durch andere privilegierte Inhaftierte kaufen können, muss dies gewiss zu Krankheit und Tod führen. 

Dementsprechend stellten wir fest, dass viele der Langzeitgefangenen recht ausgemergelt aussahen, im prinzip das was man als typische "AIDS"-Opfer gezeigt bekommt. AIDS in Afrika besteht natürlich hauptsählich aus Fehl- und Mangelernährung und von Medikamenten hervorgerufenem Schaden am Immunsystem, also beschleunigt die Gefängnisdiät diesen Trend, der arme Afrikaner außerhalb der Gefängniswände gleichermaßen betrifft.

 Manche Gefangene werden jeden Tag geschlagen und eine große Gruppe der Gefangenen darf die stickigen Zellen nur zu den täglichen Appellen verlassen. Auf jeden Fall werden keine Bemühungen zu gesunder körperlicher Aktivität unternommen. Staatliche Rechtsanwälte sind ein unerhörter Luxus und die, die sich die exerbitanten Gebühren privater Anwälte leisten können finden ihre Kommunikation auf jeglicher ebene verhindert. Nicht zu erwähnen, dass die Polizei keinerlei kultivierten Respekt gegenüber den Rechten der Anwälte und der relativen Unantastbarkeit der Anwalt-Klienten-Beziehung hat. Offiziell war es uns gar nicht erlaubt, Nhantumbo anzurufen, und er wurde auch nicht über ad hoc-Befragungen benachrichtigt. 

Medizinische Versorgung bestand darin, Pillen an die Kranken zu verteilen. Eine Schwester aus einem Krankenhaus kam ab und an vorbei, um Pillen zu verschreiben. Ich erhielt die Antibiotika für mein infiziertes Bein von Nhantumbo. Nach einiger Zeit gaben uns die Wächter Desinfektionsmittel und Penicillinpulver, die einzige Chance eiternde Wunden unter den dreckigen Konditionen in Schach zu halten. Ein Arzt besuchte mich erst viel später, nachdem ein genereller Wandel in der Umgangsart von oben eingeleitet wurde, nicht durch den normalen Verlauf der Dinge. 

Unter diesen überfüllten Bedingungen ist es sehr schwer, eine Grundhygiene aufrecht zu erhalten. Nichtdestotrotz beobachteten wir, wie die Gefangenen sich sauber zu halten versuchten, sich und ihre Klamotten wuschen, was einen großen Teil ihres Tages in Anspruch nimmt. Sie haben raffinierte Systeme entwickelt. Persönliche Gegenstände werden an Schnüren an Haken in der Decke befestigt, um sie von Ratten und Mäusen fernzuhalten. Da die Zellen nachts nicht geöffnet sind, mussten sie sich ein System ausdenken, wie man nachts in eine aufgeschnittene Plastikflasche pinkeln konnte. Diese war in einem kleinen Loch neben der Tür befestigt, essentiell einem Loch was in den größeren Kanal mit dem fließenden Wasser führte. Man musste sich daran gewöhnen, sonst konnte so einiges daneben gehen. 

Zum alltäglichen leben in Songo

Wir schafften es, uns recht viel körperlich zu betätigen, während wir in SOngo im Gefängnis waren. Ich machte 20-30 Minuten Yogaübungen und Tino und Prophet machten jeden Morgen Tai Chi. Carlos beteiligte sich nicht daran und saß stattdessen oft meditierend da, und machte aufrecht stehend erdende Übungen mit geschlossenen Augen.

All dies erregte natürlich ein bisschen Aufmerksamkeit. Wir machten uns aber nichts aus der "öffentlichen Meinung", denn was würden wir dadurch verlieren, dass sie uns für ein wenig merkwürdig hielten? Prophet führte sogar eine seiner Gedichtrezitationen durch, welche immer von Singen und starker Rezitation gesprochener Worte beinhalten, was für viel Aufregung sorgte. Zu dem Zeitpunkt hatten wir auch noch nicht all unsere Bücher ausgelesen, diese halfen also auch, die Zeit zu verbringen. 

Da sie anfangs ca 6000 Mts von jedem von uns konfisziert hatten konnten wir nun auf dieses Geld zugreifen, um Essen (und andere nützliche Dinge) zu kaufen. Zum Frühstück gab es meist Bananen, frische portugiesische Weißbrötchen und sehr chemisch schmeckende Marmelade und Margarine. Um den Maisbrei (in Mosambik Nshima genannt) aufzuwerten bekamen wir Dosensardinen. Wir konnten auch unsere Kiste mit Trockenessen aus dem Auto bekommen, mit ein paar Kochtöpfen, die wir über dem gemeinschaftlichen Kochfeuer benutzten. 

Wir verstanden uns gut mit den anderen Inhaftierten, die nicht besonders agressiv oder bedrohlich waren.Ganz im Gegenteil hörten wir viele Geschichten über die derbe Ungerechtigkeit, durch die viele von ihnen hier gelandet waren. Natürlich ist hier nicht jeder "unschuldig" - was auch immer das in einer so kranken gesellschaft wie der von Mosambik heißen mag, in der die Täuschung und grausame Unterdrückung der Mehrheit durch eine gierige und korrupte "Elite" der normale Modus Operandi ist. Viele sitzen monatelang für etwas so triviales wie ein geklautes Ei, während diejenigen die sie dort hinversetzt haben problemlos Millionen ohne jegliche Sanktion stehlen. Ein merkwürdiges System. 

Einfache Leute ohne Geld werden sobald inhaftiert wie angeschuldigt. Wenn der Chef sagt, sie hätten gestohlen, werden sie entsprechend behandelt. Fertig aus. Keine Untersuchung, keine Zeugen außer dem Anklagenden sind nötig. Dies ist immer noch wie uneter den portugiesischen Sklavenmeistern. Tete war eine Hauptbasis der inoffiziellen aber florierenden portugiesischen Sklavenwirtschaft, bis ins mittlere oder späte 19. Jahrhundert als es noch von David Livingstone beobachtet und beschrieben wurde. Natürlich gibt es Karrierekriminelle und Gangsterbosse, die sogar im Gefängnis noch dieselben Privilegien und relative Macht genießen, die ihnen ihr schlechtverdientes Geld hinter gefängnismauern noch kaufen können. 

Außer lesen und körperlicher Betätigung hatten wir bald eine weitere Ablenkung: Ein improvisiertes Schachspiel aus einem A4-Papier, bei dem sogar die Spielfiguren mit Kugelschreiber auf Papier gemalt und vorsichtig ausgerissen waren. Wir spielten also sehr viel Schach. Prophet lernte es sogar erst dort spielen und wurde in den folgenden Wochen sehr gut darin. 

Wir beobachteten den Himmel den wir zwischen den Wänden und dem Dach sehen konnten sehr viel. Wir konnten schöne Kumuluswolken und viel Luftfeuchtigkeit feststellen. Ungewöhnlich für diese Jahreszeit, da es sich der trockenen Wintersaision näherte. Wir bemerkten auch den süßen, energetisierten Geschmack des Wassers, das so frei durch unser unfreiwilliges Zuhause floss. Es wurde direkt vom Cahora Bassa abgepumpt und man konnte die gute Orgonenergie die unsere vielen Geschenke dort geschaffen hatten tatsächlich schmecken. Es schmeckte keineswegs "kontaminiert".

Trotz unserer nach außen erscheinend unangenehmen Situation, erinnere ich mich an ein übergreifendes gefühl von Glück und Friedlichkeit, so unglaublich sich das auch anhören mag. Wir hatten viele gute Gespräche, und insbesondere Tino erwies sich als exzellenter Entertainer der vor allem durch seine wortwörtlichen Darbietungen vieler Filme von "For a fistful dollars" bis "Blackadder goes forth" und Louis Farakhans markerschütternder Rede "The shock of the hour" hervorstach. Also hatten wir ab und zu auch ein wenig Spaß, trotz der generellen Nervosität wir unsere merkwürdige Situtation sich weiterhin entwickeln würde.

In der Zwischenzeit ruhte unser Team zu Hause nicht. Es wurde viel darüber geredet, hochkarätige Politiker in Botswana und Südafrika anzusprechen. Schließlich war Tino ein respektierter Pilot der botswanischen Luftwaffe und bekam direkt vor unserer Reise in einem einstündigen Gespräch eine Stelle direkt vom Präsidenten angeboten. Wir konnten also einige Unterstützung von der Seite erwarten, und würden später erfahren dass diese gegeben, obgleich nicht sofort effektiv war. 

Montag 4. Mai

Habe mit Nhantumbo gesprochen, er ist noch immer in Maputo. Er sagte, er hätte noch keine Testergebnisse gesehen, aber alles "sei unter Kontrolle". 

Dienstag 5. Mai

Wir werden rastlos und erwarten Nachrichten. Am späten Nachmittag als es bereits dunkel wurde wurden wir überraschenderweise aufgerufen, in Handschellen gelegt und in den Hof der Polizeistation geführt. Unter dem Verdacht, dass dies eine weitere Einschüchterungstaktik sein würde waren wir zunächst vorsichtig, um dann aber angenehm überrascht zu sein, dass eine kleine Menge Zivilisten die sich als Zeitungsjournalisten herausstellten sich dort versammelt hatten. 

Tatsächlich hatte Nhantumbo zuvor angesprochen, dass er die Medien involvieren würde, wenn sich dieser Fall nicht bald lösen ließ. Hatte er dies inszeniert? Es stellte sich heraus, dass der TV-Moderator von Mosambiks nationalem Fernsehsender definitiv ein Freund von Nhantumbo war, und wir konnten sogar über sein Handy Nhantumbo anrufen. Carlos gab ein längeres uns detailliertes Interview, welches sehr positiv verlief. Uns wurden jeweils einige Fragen gestellt und der TV-Produzent bat den Kameramann, an mein angeschwollenes bein heranzuzoomen, welches inzwischen ziemlich übel aussah.

Mittwoch 6. Mai

Dinge schienen sich endlich zu unseren Gunsten zu wenden. Wir erfuhren durch das, was uns die anderen Inhaftierten erzählten, dass positive Stimmen im Radio und Fernsehen sich vermehrten. Außerdem kam eine Ärztin vom Krankenhaus mich besuchen und obwohl sie sich mein bein nur aus der ferne anschaute um ein weiteres Antibiotikum zu verschreiben war es eine Änderung in der generellen Haltung. Die Ärztin sagte den Wächtern sogar, dass ich mit angehobenem Bein schlafen müsste, woraufhin sie eine Bank holten und sich jeder plötzlich um mich sorgte. 

Prophet führte ein Radiointerview. Es schien, als hätten die Medien endlich in großen Maße Wind von unserer Geschichte bekommen. Am Abend wurde ich ins Büro des Polizeikommandanten gerufen. Zwei Männer, von denen einer als Regierungsbeamter der Provinz vorgestellt wurde, waren mit Kommandant Jorge dort. Der andere sprach fließend Deutsch und erzählte mir, er habe in München studiert. Jeder war plötzlich überaus freundlich. Mir wurden Kekse und Coca Cola angeboten sowie eine Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten denen wir ausgesetzt waren. Anscheinend wurde nur noch auf einen Test gewartet, und dann sollten wir sicherlich in ein paar Tagen unsere freiheit wiederbekommen. Interessant. Die heiß-kalt-Behandlung oder was? Ich sagte ihnen, sie müssten auch mit Tino sprechen, da er bereits in vielen unterstützenden Missionen für die mosambikanische Armee mitgeflogen war, als er noch Pilot der botswanischen Luftwaffe war. Zu dem zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass unsere Geschichte bereits internationale Schlagzeilen erreicht hatte, von der BBC bis zum portugiesischen Nationalfernsehen und den südafrikanischen Zeitungen sowie ein paar nationalen Radiosendern. Ein Freund von mir hatte sogar in Berlin übers Radio von meinem Schicksal erfahren. 

Donnerstag 7. Mai

Wir haben Nhantumbo seit 8 Tagen nicht gesehen. Wir verlangen offiziell das Recht, mit unserem Anwalt zu kommunizieren und die Wächter bestätigen die schriftliche Lieferung an Kommandant Jorge. Keine Reaktion. Stattdessen kommt Senor White vorbei und verlangt, dass all unsere Wertgegenstände, die sich noch im Metallschrank befinden, an die Polizeiwache übergeben werden sollten. Wir wurden gebeten, die geänderte Liste unser konfiszierten Personalien zu unterschrieben. Wir dachten zunächst, dass es sich wieder um eine kleinliche Reaktion auf unsere kühnen Forderungen handelte. 

Am nächsten Tag würden wir herausfinden, dass die Konzentration all unserer gegenstände in einer Hand die Vorbereitung auf unseren Transfer nach Tete, der Provinzhauptstadt war. Der Pressekrieg hatte begonnen, und mit einem viel größeren Ausmaß als wir uns anfangs von unserer isolierten Position aus bewusst waren, und er schien zu unseren Gunsten zu laufen. Nun verspürten wir endlich richtigen Optimismus. Plötzlich hörten wir den Präsidenten im Radio sagen, dass niemand über unsere Schuld oder Unschuld zu raschen Schlüssen kommen sollte. Dann hörte man die Ministerpräsidentin sagen, dass sie an unsere Unschuld glaubte. 

Freitag 8. Mai

Kein Wunder dachten wir, dass wir entlassen wurden, als uns morgens gesagt wurde alles einzupacken und uns für den Transport nach Tete bereitzuhalten. Mit der ganzen Spannung der letzten 48 Stunden dachten wir, dass sie unsere Freilassung unten in Tete vorgesehen hatten. Die Wächter und sogar der lebhafte Kommandant Jorge ließen uns alle denken, dass sie unsere Freilassung auch erwarteten. menschen im Gefängnis werden oft sentimental, wenn ein Inhaftierter entlassen wird. Sie sagten Dinge wie "Hoffentlich bleiben wir euch gut in Erinnerung...") usw... Es ist übrigens bekannt, dass Terroristeninhaftierende das Bedürfnis haben, von ihren Opfern gemocht zu werden. 

Natürlich sorgten die üblichen Verzögerungen für eine lange Wartezeit. Endlich wurden wir in Handschellen auf den Rücksitz meines eigenen Landrovers gepackt, während viele unserer Eigentümer wahllos auf einen Pickup geschmissen wurden, um im Auto mehr Platz für weitere Inhaftierte zu schaffen. Das Boot wurde an den Landrover gehängt und die bewaffneten Wächter quetschten sich noch mit in den Landrover und den Pickup. Wir hatten keine Ahnung, was uns in Tete erwarten würde, als unsere Gedanken schon so in der Freiheit schwebten...

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